Meine Reise
Die ersten Schritte
Alles begann an meinem 15. Geburtstag. In meinen Händen: eine Sony a6000.
Nicht mehr verschwommene, überbelichtete Bilder mit meinem „leicht“ trashigen Smartphone. Ein Ticket in eine völlig neue Welt. Von Ort zu Ort, aber vor allem quer durch meine Heimat, wurde die Kamera mein ständiger Begleiter. Ich liebte es, an den Rädern zu drehen und Knöpfe zu drücken, ohne anfangs genau zu wissen, wie man das Alles nennt.
Ob es nun ISO hieß oder Verschlusszeit, war mir egal. Ich sah einfach, was passierte: Hier wurde das Bild rauschig und heller, dort verwandelte sich fließendes Wasser in magische Schleier. Wobei die magischen Schleier eine wirklich ruhige Hand verlangt haben.
Die Kamera als Kompass
Was als Zeitvertreib anfing, wurde schnell zu etwas Tieferem. Auf meinen Foto-Walks merkte ich, dass ich mich in einer Art Meditation befand. Die Kamera half mir, abzuschalten, den Fokus neu auszurichten und die Welt um mich herum neu zu entdecken – ich wurde Achtsamer.
Ich habe angefangen die Kamera in Urlaube mitzunehmen. Mit meinem neuen Stativ im Gepäck fing ich das Leuchten der Sterne und das rhythmische Brechen der Wellen ein. Ich lernte das Handwerk von Grund auf. Nicht nur die Technik, sondern das Gefühl für den Moment.
Regeln, Richtlinien und die Freiheit der Kunst
Da ich mir nach meinem Schulabschluss Zeit für mich und meine Selbstorientierung nehmen konnte, habe ich versucht mich stetig weiterzuentwickeln und vieles auszuprobieren.
Dabei habe ich eines festgestellt:
In der Fotografie als Kunstform gibt es keine Regeln, die dich in deiner Vision beschränken sollten. Es gibt lediglich Richtlinien, die dir den Weg weisen und an denen man sich orientiert.
In der Welt der Marktwirtschaft sieht das natürlich oft anders aus. Dort wird eine gewisse Basiskompetenz erwartet. Man fragt sich: Was macht ein Bild wirklich gut? Was verleiht ihm diese besondere Seele, die es aus der Masse hervorhebt?
Tokyo 2025: Weg von hier!
Mit genau diesen Gedanken im Gepäck flog ich Anfang 2025 mit meinem besten Freund nach Japan. Tokyo hat mich im positiven Sinne komplett überfordert.
An jeder Ecke, in jeder Gasse wartete ein Motiv, das ich so noch nie gesehen hatte.
Mein Finger am Auslöser der Digitalkamera kam kaum zur Ruhe.
Doch dann trafen wir eine Entscheidung, die alles veränderte: Wir stiegen auf analogen Film um.
Das war der Wendepunkt. Wir ließen uns nicht mehr von der Reizüberflutung der Metropole mitreißen, sondern lernten zu warten. Suchten nicht mehr krampfhaft nach Motiven, sondern ließen sie zu uns kommen. Mit der Zeit verschwand das rastlose Gefühl, etwas zu verpassen, und machte Platz für echte, achtsame Augenblicke.
Das war eine essenzielle Lehre, die ich von dieser Reise mitnehmen durfte.
Die schönsten Bilder entstehen dann, wenn man den Mut hat, seiner Intuition zu trauen.